Wirtschafts- und Verkehrsleben
Im 19. Jahrhundert vollzog sich eine gewaltige Umschichtung des gesamten Wirtschafts- und Verkehrslebens in der Stadt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts bot Asperg das Bild einer ländlichen Siedlung. Bauern und Weingärtner bestimmten das äußere Bild der Gemeinde. Einziger Industriezweig war zunächst die Gipsgewinnung. Erstmals wurde der Handel mit Gips im 14. Jahrhundert urkundlich erwähnt. 1859 waren neun Gipsmühlen am Ort.
Als im Jahre 1847 die Bahnstrecke Ludwigsburg-Bietigheim eröffnet wurde, bekam Asperg Anschluss an den Schienenverkehr. Noch war das Bahnhofsgebäude weit von der eigentlichen Siedlung entfernt. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte wuchs das Wohngebiet dann immer mehr dem Bahnhof entgegen.
Bedeutende Industriezweige etablierten und entwickelten sich in Asperg. Die erste württembergische Eisschrankfabrik, die unter dem Namen "Eisfink" weltbekannt wurde, die Stahlgießerei der Firma Streicher aus Stuttgart-Bad Cannstatt und aus kleinen Anfängen heraus auch eine Möbelindustrie.
Der erste Weltkrieg von 1914 - 1918 unterbrach die friedliche Entwicklung und den wirtschaftlichen Aufschwung Aspergs. Auf dem Hohenasperg wurde ein Kriegsgefangenenlager eingerichtet. Die erste Bevölkerungszählung nach dem Krieg ergab im Jahr 1919 insgesamt 3.352 Einwohner.
Beginnende Wirtschaftskrise
Dem Ersten Weltkrieg folgte die Zeit der Inflation. Nach der Inflation herrschten Arbeitslosigkeit und Geldmangel, die nach einer kurzen Erholung im Jahr 1929 mit der beginnenden Wirtschaftskrise erneut Not verursachten.
Im November 1938 wurde die damalige Reichsautobahn von Stuttgart nach Ludwigsburg freigegeben. 1939 wurde der Gipsabbau in Asperg eingestellt nachdem bereits 1936 ein Erdrutsch am Nordhang des Hohenasperg zu Verunstaltungen des Landschaftsbildes beigetragen hatte. Während der Zeit des Dritten Reiches und dem Zweiten Weltkrieg stockte die Entwicklung der Stadt erneut. Ab 1940 war die Zweigstrafanstalt auf dem Hohenasperg zur Zwischenstation für verfolgte Juden sowie Sinti und Roma auf dem Weg in die Vernichtungslager im Osten geworden.
Der wegen seiner Höhe als Beobachtungspunkt geeignete Hohenasperg erwies sich insbesondere im April 1945 bei den vergeblichen Versuchen die Enz-Linie zu verteidigen als Nachteil für die Asperger Bevölkerung. Bomben- und Granatenangriffe verursachten zahlreiche Schäden. Nach Ende des Krieges gehörte Asperg zunächst zur französischen, später zur amerikanischen Besatzungszone. Im Jahre 1945 betrug die Bevölkerungszahl noch 4.700 Einwohner.