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Die Kelten in Asperg

Die Geschichte der Kelten in Asperg

Keltischer Fürstensitz Hohenasperg

Als markant sichtbare Landmarke, die die Umgebung um etwa 90 m überragt,  hat der Hohenasperg zu allen Zeiten die Menschen angezogen. Von 650 – 400 v. Chr. war der Hohenasperg ein überregional bedeutsames Zentrum frühkeltischer Zeit. Viele Grabhügel in der Umgebung lassen auf Macht, Reichtum und Einfluss eines mächtigen keltischen Geschlechtes schließen. Dessen Herrschaftsbereich erstreckte sich vom Schwarzwald bis zum Schwäbischen Wald und von der Alb bis nach Heilbronn. Südlich des Hohenaspergs gelegen, fand man mehrere Grabhügel die ungewöhnlich reich ausgestattet wurden. Das jüngste Grab das dem Hohenasperg zugewiesen werden kann, fand sich als Nebenbestattung im Kleinaspergle. Die weiter entfernt liegenden Grabhügel sind älter. Zwischen den meisten Gräbern und dem Hohenasperg besteht Sichtkontakt.

Grabhügel oder Prunkgräber im Umfeld des Hohenasperg

  • Kleinaspergle (Asperg)
  • Grafenbühl (Asperg)
  • Römerhügel/Belle Remise (Ludwigsburg Pflugfelden)
  • Steinhaldenfeld (Stuttgart - Bad Cannstatt)
  • Hirschlanden (Ditzingen)
  • Schöckingen (Ditzingen)
  • Hochdorf (Eberdingen)
  • Grabhügelfeld im Osterholz (Asperg)
  • Siechenberg (Asperg)
  • Katharinenlinde (Schwieberdingen)

Das Kleinaspergle (um 440 v. Chr.)

Entdecker des Prunkgrabes war Oskar Fraas, Geologe und Direktor des „Königlichen Naturalienkabinetts“ in Stuttgart. Die Untersuchung wurde mit einer bergmännisch angelegten Stollengrabung durchgeführt. Auf Grund seiner Erfahrungen bei den Grabungen im Römerhügel (Ludwigsburg) ließ Fraas ab 19. Mai 1879 den Stollen von West nach Ost vortreiben. Schon nach kurzer Zeit zeigte sich, dass es sich um einen künstlich aufgeschütteten Hügel handelte. Nach 18,30 Metern, stießen die Arbeiter auf einen mit Holzmoder angefüllten viereckigen Hohlraum, die unversehrte Grabkammer eines Nebengrabes. Die Funde übertrafen alle Erwartungen. Der Stollen schnitt zudem in der Mitte des Hügels bei 28 m Stollenlänge eine größere Grabkammer an. Leider war dieses Grab bereits antik beraubt. Ein pyramidal geformter Stein (Stele) von 1,80 Meter Höhe und 0,60 Meter Breite wurde nur in einer Zeichnung festgehalten. Anlässlich der Asperger Keltenausstellung im Jahr 2008 wurde eine Nachbildung dieses Steines am Kreisverkehr Möglinger/ Markgröninger Straße aufgestellt. Der Einsturz des Stollens, der für die Arbeiter glücklicherweise ohne Folgen blieb, verhinderte die weitere Untersuchung.  Eine weitere Grabung wurde aus Sicherheitsgründen eingestellt. Fraas ließ von der ersten Grabkammer aus einen ringförmigen Stollen graben. Leider blieben auch diese Grabungen ohne Erfolg. Auf eine genaue Untersuchung der Osthälfte des Hügels wurde verzichtet und die Grabungen am 16. Juli 1879 beendet.
Die einzigartige archäologische Situation rings um den Hohenasperg und das Kleinaspergle gerieten nach der spektakulären Grabung von 1879 wieder in Vergessenheit. 1931 forderte Professor Dr. Peter Goessler, Leiter des Denkmalamtes, die Stadt Asperg auf, die Grundstücke im Bereich des Hügels durch Tausch zu erwerben, um das Kleinaspergle als weithin sichtbares Denkmal zu gestalten.1935 kamen die im Bereich des Kleinaspergles liegenden Grundstücke mit 70 Ar in den Besitz der Stadt Asperg. Nun konnten die durch Grabungen und durch Pflügen entstandenen Terrassen durch Anschütten von unten her ausgeglichen, werden. Über 60 Obstbäume wurden gefällt, Gartenzäune entfernt und der ganze Hügel wurde mit Gras eingesät. Die Firma Lauster aus Bad Cannstatt stiftete den „ganz im Stil der Zeit“ gefertigten quadratischen Gedenkstein, der auf dem Kleinaspergle eingelassen wurde. Am 19. Februar 1938 wurde die Anlage mit einer kleinen Feier eingeweiht.
1966 wurde das Gebiet um das Kleinaspergle als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, als Ausgleichsmaßnahme für eine geplante Industrieansiedlung im Osterholz.
Unter der Federführung von Prof. Dr. Wolfgang Kimmig ist von einem Team namhafter in- und ausländischer Wissenschaftler fachübergreifend 1988 die erste umfassende wissenschaftliche Darstellung der Geschichte des Forschungsprojekt Kleinaspergle, eines der bedeutendsten prähistorischen Grabfunde des Landes, erschienen.
Im Januar 2009 wurde das Kleinaspergle durch Harald von der Osten-Woldenburg vom Landesamt für Denkmalpflege geomagnetisch kartiert und mit Bodenradar untersucht.

Die Funde im Kleinaspergle

Die Grabausstattung reiht das Kleinaspergle in die oberste Schicht der Prunkgräber mit herausragendem Südimport ein. Man fand Bronzegeschirr aus Etrurien und dem Tessin, Trinkschalen aus Athen, darunter eine der wenigen rotfigurig bemalten, die ihren Weg über Spina und die Alpen nach Süddeutschland fanden. Kulturgeschichtlich bemerkenswert sind die keltische Nachbildung einer etruskischen Schnabelkanne und Goldblechbeschläge, alles im Stil der neuen Latènekunst gestaltet. Zwei Trinkhornenden aus Gold erregten bei ihrer Auffindung Aufsehen. Teile der gefundenen Goldblechstreifen und Goldscheiben können der Verzierung der Trinkhörner zugerechnet werden. Diese waren mit den erhaltenen silbernen Kettchen, die an den Widderköpfen befestigt waren, beweglich aufgehängt. Die Oberteile der Trinkhornenden sind nicht erhalten. Die Trinkhornendstücke sind in Technik und Verzierung Meisterleistungen keltischer Handwerkskunst.  Bei der Asperger Schnabelkanne wurden viele Elemente in veränderter Form genutzt und zu einem neuen Kunstwerk gefügt. Eine Replik der Schnabelkanne ist im Rathausfoyer ausgestellt.

Das Prunkgrab Grafenbühl (um 500 v. Chr.)

Neben Hochdorf/Eberdingen und Vix (Mont Lassois/Burgund) ist das Grab im Grafenbühl das wohl bedeutendste Prunkgrab. Die Mediterranisierung wird hier deutlich anhand der Funde belegt. 1964 stieß man bei Planierungsarbeiten im Gebiet der heutigen Teckstraße 14 auf ein Grab das von einem mächtigen, teilweise zerstörten Steinsatz bedeckt war. Unter Leitung von Hartwig Zürn vom Staatlichen Denkmalamt wurde der ganze Hügel untersucht. Der Hügel dürfte einen Durchmesser von ca. 40 Meter gehabt haben. Durch die jahrhundertelange Bewirtschaftung war die Oberfläche stark zerwühlt. Das Zentralgrab lag über der alten Humusoberfläche und vermutlich an der Stelle eines älteren Grabes das beim Ausheben der Grube zerstört wurde. Die Grabungen lassen den Schluss zu, dass die hier Begrabenen nicht nur reich sondern auch mächtig waren. Die Grabkammer war 4,50 x 4,50 Meter große und ca. 0,80 Meter in den gewachsenen Boden eingetieft. Der Kammerboden lag auf drei Unterzügen, die Decke war mit einem Mittelpfosten abgestützt. Die ehemalige Höhe betrug ca. 0,90 m. In der südwestlichen Kammerecke lag ein völlig zerstörtes Skelett eines etwa 30 Jahre alten Mannes. Im Nordosten, zwischen Kammer- und Grubenwand wurde die Schädeldecke eines Erwachsenen gefunden. Es wurden 33 Nebengräber nachgewiesen, die eingebracht wurden als die Hauptkammer noch intakt war. Die in den Körpergräbern beigesetzten Männer, Frauen und Kinder besaßen die für die Späthallstatt- und frühe Latènezeit üblichen Bronzebeigaben.

Die Funde im Grafenbühl

Zwei künstlerisch bedeutende Fundstücke stellen die aus Bein geschnitzten Sphingen dar. Die besser erhaltene hat ein aufgesetztes Bernsteingesicht. Die Sphingen waren mit vergoldeten Bronzenieten auf einem unbekannten Untergrund angebracht. Von einem Kessel sind zwei Löwenfüße erhalten, von einem Dritten die Standspur. Sie trugen ein Gestell mit eisernen Rundstäben in dessen oberen Ring der Kessel eingehängt wurde. Der Stabdreifuß stammt aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Und wurde in einer griechischen Werkstatt gefertigt. Vom Bronzekessel sind verschiedene Stücke erhalten. Mindestens ein weiteres Bronzegefäß befand sich, den Fundresten nach zu urteilen, noch in der Grabkammer. Eiserne Teile von Radreifen und eine Eisenverkleidung wurden ebenfalls gefunden. Sie gehören zu einem in der Spät-Hallstattzeit üblichen vierrädrigen Wagen. In der Kammer zerstreut liegend gefundene Goldfäden lassen auf golddurchwirkte Gewänder schließen. Erhalten sind eine Bronzenadel, mit Goldblech belegte Bronzefibeln und ein Teil eines mit Gold belegten Gürtelverschlusses. Man nimmt an, dass der Tote auf einer mit Einlegearbeiten verzierten griechischen Kline beigesetzt wurde. Verschieden geformte Plättchen aus Bernstein und Elfenbein           davon sind erhalten. Gefunden wurde auch eine zehn Zentimeter große, auf beiden Seiten bearbeitete Elfenbeinscheibe. Sie gehört wahrscheinlich zur Bekrönung eines Griffes für einen Spiegel oder eines anderen Würdezeichens. Außerdem wurden ein Klapperblech, ein Löwenfuß sowie Schmuck und weitere Kleinteile geborgen.

Weiter Funde und Fundorte in Asperg

Nahe beim Hohenasperg wurden 1580 „etlich Stück, als wann die von einem Kessel kommen, ein goldenes Halsband und ein goldener Ring“ gefunden. Sie wurden nach Stuttgart gebracht und erregten am Hof des württembergischen Herzog großes Aufsehen. Heute sind sie verschollen.
1608 wurden drei geknotete Bronzeringe aus der Latènezeit beim Anlegen eines Weinberges am Hohenasperg entdeckt. Sie befinden sich im Landesmuseum Württemberg.
Grabhügelfeld im Osterholz (um 1500 bis 400 v.Chr.): 12 Grabhügel mit einem Durchmesser von bis zu 25 Meter und einer Höhe bis zu 1,20 Meter. Einige Hügel waren bereits so abgeflacht, dass sie nur mit geschultem Auge zu erkennen waren. Landeskonservator Dr. Eduard Paulus und der Bietigheimer Oberförster Fribolin untersuchten die Hügel im Jahr 1887. Gefunden wurden ein Dolch, Gewandnadeln, Hals- und Armringe sowie eine Paukenfibel aus der Spät-Hallstattzeit. An fünf der Hügel wurde im Jahr 1951 eine Schnellgrabung durch Oskar Paret und Hartwig Zürn vom Landesdenkmalamt durchgeführt. Zwei der Hügel bargen Gräber aus der Bronzezeit. Ein Hügel war in der Urnenfelderzeit angelegt worden. Die Hügel wurden in der darauf folgenden Hallstattzeit weiter belegt. Einen der Hügel umgab ein Kreisgraben von 13 Meter. In zwei Hügeln wurde in Gräbern aus der späten Hallstat- und frühen Latènezeit vor allem Frauenschmuck gefunden.
Östlich vom Kleinaspergle wurden 1963 zwei Grabhügel der Latènezeit entdeckt. Die Reste in den ausgeraubten Gräbern weisen auf eine ehemals reiche Ausstattung hin.
1971 wurde in der Nähe des Kleinaspergles bei Bauarbeiten ein Grab angeschnitten und teilweise zerstört. Eine Eisenfibel, eine Bronzefibel mit stilisiertem Tierkopf als Fuß und ein gold-silber legierter Fingerring wurden dort geborgen. Schräg über dem Grabschacht lag ein 0,80 Meter hohes und 0,57 dickes Unterteil einer Stele aus Stubensandstein
Zudem konnten im Siedlungsraum Hohenasperg bisher über 400 Siedlungen nachgewiesen werden. Gefunden wurden Keramikscheiben, Knochengeräte, Bronze- und Eisenerzeugnisse. Auch im Stadtgebiet wurden Siedlungsspuren gefunden. Im Jahr 2008 fand eine viel beachtete von Ehrenamtlichen und der Stadtverwaltung organisierte Keltenausstellung in Asperg statt. Dabei waren erstmals nach der Ausgrabung die - sich sonst im Landesmuseum Württemberg befindenden - Originalfundstücke wieder am Heimatort zu sehen. Im Nachgang zu dieser Ausstellung erschien 2010 ein reich bebildertes Buch „Kelten am Hohenasperg“. Sowohl die Ausstellung als auch die Erstellung des Buches wurden fachlich von namhaften archäologischen Fachleuten des Landesamtes für Denkmalpflege, des Landesmuseums, etc. unterstützt. Die ehrenamtlichen Akteure erhielten für ihr Engagement im Jahr 2010 den Förderpreis des Baden-Württembergischen Archäologiepreises.
Die Asperger Funde sind Teil der großen Landesausstellung „Die Welt der Kelten – Zentren der Macht/Kostbarkeiten der Kunst“ von 15. September 2012 bis 17. Februar 2013 in Stuttgart.  Die Stadt Asperg wirkt am Begleitprogramm zur großen Landesausstellung mit und ist außerdem Mitglied im Verein „Keltenwelten – Keltische Stätten in Deutschland e.V.“

Nähere Informationen:

Keltenmuseum Eberdingen/Hochdorf

Begleitprogramm Keltenjahr 2012

Die Welt der Kelten

Keltenwelten